
Wer denkt schon an Hunger und Not, wenn er von Argentinien hört? Und
doch haben in diesem scheinbar so wohlhabenden Land Kinderarmut, Verwahrlosung
und blankes Elend in einem erschreckenden Ausmaß um sich gegriffen.
Engagierte Menschen beiderseits des Atlantik haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese unerträglichen Zustände zumindest im Bundesstaat Misiones zu lindern. Dank ihrer Initiative gibt es dort nun zahlreiche Projekte zur nachhaltigen Hilfe, Ausbildung und Entwicklung.
So wurde 1991 in der Kleinstadt Puerto Rico das Kinderdorf „Hogar Jesús Niño“ gegründet. Es bietet Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen dauerhaft eine menschenwürdige Heimat. Es richtet sich an Waisen und auch an Sozialwaisen, bei denen sich die Eltern nicht um die Versorgung und Erziehung kümmern (können).
Betreut von einer Pflegemutter, leben jeweils ca. 8 Kinder zusammen in einem Haus. Je nach Alter besuchen sie den Kindergarten oder die Kolping-Schule bzw. machen eine Ausbildung. Analog zur größer werdenden Not ist auch das Kinderdorf gewachsen. Seit Fertigstellung des vierten Hauses bietet es 32 jungen Menschen Heimat und 7 Personen Arbeit.
Das Kinderdorf wird durch Spenden finanziert. Durch Entsendung von jungen „Missionaren auf Zeit“ sowie durch Arbeitseinsätze und Besuche vor Ort gibt es einen engen persönlichen Austausch, durch den eine geistige Brücke zwischen Deutschland und Argentinien geschlagen wird. Die Hilfe wird von der Katholischen Pfarrgemeinde Holzkirchen koordiniert.
Argentinien
Obwohl Argentinien ein scheinbar reiches Land mit günstigen Voraussetzungen
ist, herrschen in einigen Regionen Unterentwicklung und blankes Elend vor.
Ungeachtet einer aktuellen Stabilisierung der politischen und ökonomischen
Verhältnisse hält die Wirtschaftskrise weiterhin an - besonders
in Gebieten fernab der Hauptstadt Buenos Aires.
Misiones
Misiones im Nordosten Argentiniens gehört zu den vernachlässigten
Bundesstaaten. Gerade Familien leben oft unter der Armutsgrenze. Die medizinische
Versorgung ist ebenso unzureichend wie das Schulsystem. Kinder werden missbraucht,
auf der Straße ausgesetzt und verwahrlosen. Hunger und Not haben in
einem erschreckenden Ausmaß um sich gegriffen.
Puerto Rico
Vom Staat ist keine nachhaltige Linderung dieser unerträglichen Zustände
zu erwarten. Deshalb rief der argentinische Pater Juan Markievicz von den
Steyler Missionaren bereits 1973 das Hilfsprojekt „Villa Cabello“
ins Leben, das mehrere Schulen, Lehrwerkstätten, Kirchen, Gesundheitszentren
und Armenspeisungen in Misiones umfasst. Gemeinsam mit engagierten Bürgern
gründete Padre Juan 1991 in der Kleinstadt Puerto Rico -gelegen am Fluss
Paraná zwischen der Hauptstadt Posadas und den Wasserfällen von
Iguazú- das Kinderdorf „Hogar Jesús Niño“.
Seit 1999 wird es fürsorglich von der örtlichen Kolping-Familie
um Julia und Raimundo Hillebrand verwaltet.
Kinderdorf „Hogar Jesús Niño“
Kindern und Jugendlichen aller Altersstufen bietet das Kinderdorf dauerhaft
eine menschenwürdige Heimat sowie die Chance zu einem altersgerechten
Heranwachsen und einer echten Entwicklung. Aufgenommen werden sowohl Waisen
als auch Sozialwaisen, bei denen sich die Eltern nicht um die Betreuung und
Erziehung kümmern oder kümmern können. Über 30 Kinder
leben im Kinderdorf, verteilt auf 4 Häuser. Jedes Haus stellt eine Familienstruktur
mit einer Pflegemutter dar. Je nach Alter besuchen die Kinder und Jugendlichen
den Kindergarten oder die Kolping-Schule bzw. machen eine Ausbildung. Die
Erwachsenen sind bestrebt, den christlichen Glauben -der Triebfeder ihres
eigenen Handelns ist- in den Kindern zu stärken und zu fördern.
Zusätzlich zu den 4 Hausmüttern Tía Pepa, Tía Susana,
Tía Esther und Tía Maria gibt es mit Raimundo Hillebrand einen
hauptamtlichen Verwalter. Ferner helfen psychologische, sozialpädagogische
und medizinische Kräfte den oftmals traumatisierten sowie körperlich
und seelisch geschädigten Kindern. Jugendliche „Missionare auf
Zeit“ aus Deutschland unterstützen die lokalen Mitarbeiter.
Holzkirchen
Die Pfarrgemeinde Holzkirchen hat sich verpflichtet, die Finanzierung des
Kinderdorfes dauerhaft sicherzustellen. Bei dieser großen Aufgabe helfen
viele großherzige Menschen, ehrenamtliche Helfer, Spender und Familienpaten.
Treibende Kraft ist Pfarrer Walter Waldschütz - oder „Padre Walter“
wie er von den Kindern in Argentinien liebevoll genannt wird. Mit der Gründung
der Pfarrer Walter Waldschütz-Stiftung sollen die übernommenen Patenschaften
für das Kinderdorf "Hogar Jesús Niño" in Puerto
Rico /Argentinien und dessen Finanzierung sowie Unterstützung und Hilfestellungen
für die örtlichen Kolpingfamilienund für Sozialprojekte bei
der Bewältigung der Not der Ärmsten der Armen in Misiones, Argentinien
fortgeführt werden.
Missionskreis
Der „Missionskreis“ koordiniert die Bemühungen zur Finanzierung
des Kinderdorfes, initiiert eigene Aktivitäten wie Benefizkonzerte oder
Flohmärkte und informiert die zahlreichen Spender. Der gemeinsame Ausschuss
von Pfarrgemeinde und Kolping-Familie Holzkirchen steht allen Interessierten
offen. Neben Pfarrer Waldschütz gehören ihm derzeit zehn Frauen
und Männer aus Holzkirchen und dem gesamten Oberland an. Vorsitzende
ist Anita Bierschneider. Ziel des Missionskreises ist auch, über Fastenessen,
Konzerte und Gestaltung der Missionssonntage das kirchliche Leben zu bereichern
und die geistige Verbindung zwischen Misiones und dem bayrischen Oberland
zu stärken.
Finanzierung - wofür?
Die laufenden Kosten des Kinderdorfes betragen pro Jahr knapp € 80.000.
Die Hälfte davon entfallen auf Personalkosten in Argentinien, also die
Gehälter für einen Verwalter, vier Hausmütter und einige Teilzeitkräfe.
Diesen Menschen wird ein sicherer Arbeitsplatz und gerechte Entlohnung geboten.
Oberstes Ziel ist es, die Kinder menschenwürdig zu ernähren, zu
kleiden, auszubilden und abzusichern. So sind ein Drittel der Kosten direkte
Aufwendungen für die Kinder, also für Lebensmittel, Kleidung, Versicherungen,
Krankenbehandlung, Schulgebühren und Freizeitaktivitäten. Die übrigen
Aufwendungen entfallen auf Betriebskosten (Strom, Wasser, Telefon), Steuern
sowie Instandhaltung und Reparatur.
Finanzierung - woher?
Die gewaltigen Ausgaben müssen jedes Jahr aufs Neue gedeckt werden, um
den Fortbestand des Kinderdorfes zu sichern. Hierbei steigt der Eigenbeitrag,
den die Kolpingfamilie in Argentinien aus Mitgliedsbeiträgen und Benefizveranstaltungen
erzielt, ständig an. Aus Deutschland werden jährlich ca. €
65.000 nach Argentinien transferiert. Knapp 15% hiervon steuert das "Päpstliche
Missionswerk der Kinder" bei, das auch die Überweisung der Gelder
übernimmt. Zur Deckung der verbleibenden enormen Summe tragen in aller
erster Linie Einzelspender und Familienpaten bei. Eine wichtige Rolle spielen
die Zuwendungen zB von Kolping, dem Frauenbund, der Evangelischen Gemeinde
oder dem Elterbeirat des Kindergartens. Auch das Sammelergebnis der Sternsinger
in Holzkirchen und z. T. in anderen Gemeinden kommen dem Projekt zu Gute.
Eine feste und unerläßliche Größe bei der Finanzierung
des Kinderdorfes sind die vom Missionskreis durchgeführten Aktionen wie
Benefizkonzerte, Flohmärkte, Kuchen- und Kunsthandwerkverkauf oder Erstellung
und Verkauf des Missionskalenders.
- gemeinsam schaffen wir es!